Ja. Es war ein schönes Begräbnis. Eigentlich. A scheene Leich halt, wie man bei uns sagt. Und zwar besonders dann, wenn die zu begrabende Leich selbst zu Lebzeiten nicht besonders scheen...aber egal. Dafür waren die Blumen schön. Und die Witwe. Deren Freude über den Umstand, dass sie das ebenso schöne Vermögen vom lieben Verblichenen schon zu dessen Lebzeiten vor der Finanz und vor allem vor den anderen Erbberechtigten in Sicherheit bringen konnte, anlassgerecht von der tiefen Trauer des Verlustes getrübt war. Sofern man vom österreichischen Pflichtteilsrecht überhaupt von einem Verlust sprechen kann. Und dennoch. Das Leben geht weiter. Und ihr blieb ja immer noch der Boris. Der schöne Boris. Dessen durch verschmierten Lippenstift etwas beeinträchtigte Optik die ebenso Anwesenden etwas anwiderte. Wie überhaupt seine Anwesenheit im allgemeinen verstörte. Aber das wiederum störte den Boris wenig. Schließlich war er im Gegensatz zu all denen, die so unverhohlen auf ihn, den Witwentröster, herabsahen, nicht nur Trost-, sondern auch Kranzspender. Und sein floraler Nachruf war nicht nur der größte und schönste, sondern durfte auch zur Linken des anwesenden Verwes..blichenen glänzen. Mit der ganzen Kraft von 1000 Rosen. Ungefähr. "Von Boris" stand auf der Schleife zu lesen. Kurz und prägnant. In einer ihm eigenen Schlichtheit. Die ihn auch später nicht davon abhielt, aufs Grab zu pinkeln. Den Boris. Den Hund, den.
christerl - am Sonntag, 13. Juli 2008, 08:55 - Rubrik: nachgerufen


