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expertenhaft

Gestern war ja Weltspartag. Zumindest in Österreich. Weltspartag in Österreich. Vorgestern, sagt mir mein Kalender, hatten die Deutschen übrigens ihren Weltspartag. Es trennt uns also nach Karl Kraus nicht nur die gemeinsame Sprache, uns und die Deutschen, sondern auch nichts Geringeres als zwei Welten. Das find ich schön. Sagen zu können: Uns trennen Welten. Jedenfalls hat mir der Weltspartag gestern nicht nur einen grünen Sumsi-Luftballon sondern auch einen Gedanken beschert, der erst heute zu Allerheiligen (quasi dem Weltallerheiligentag) zur Gänze ausgereifen wird. Wenn am Nachmittag der obligatorische Friedhofsgang angetreten wird.

Wegen den Fröschen nämlich. Oder wegen der Frösche, was weiß ich. Hab ich Ihnen hier schon mal von den Fröschen erzählt? Nein, hab ich nicht. Aber von dem bevorzugten Ziel der gemeinsamen Kind&Urlioma-Spaziergänge hab ich hier bestimmt schon mal geschrieben. Sollten Sie jetzt nur Bahnhof verstehen, muss ich Sie korregieren: Nicht Bahnhof, Friedhof, mein/e Liebe/r, Friedhof. Also am Friedhof, da steht ja ein Bankerl, und das meist in der Sonne, das hat meine athritische Oma recht gern. Und überall die schönen Blumen ("und schau da de au, de haum ja no immer de Feigerl steh, dabei ghern jo jetzt de, nau! de wasteh wöchane i man!") und überall ist Ruh. Jedenfalls bis zum benachbarten Bauernhof, wo der Siloventilator im Dauerlauf sogar die Kirchenglocken übertönt. Und die Urlioma dann nicht mal weiß, ob wer gstorm ist. Aber egal. Der Urlioma also ihre Bank. Soviel noch zum Weltspartag.

Das Kind hat andere Beweggründe, in seinen noch so jungen Jahren fast täglich den Friedhof aufsuchen zu wollen. Weil: Die Frösche.
Bzw. der Frosch. Mit einem hat es nämlich angefangen, vor ca. zwei Jahren. Da saß einer im Sickerschacht bei der Wasserleitung. Und schaute. Mehr brauchte es nicht. Und das Kind hat auch gschaut. Wie gesagt, fast jeden Tag. Ob der Frosch noch da ist. Genau betrachtet, denn ich hab ja auch gschaut, war der Frosch ein Kröte. Grün-weiß gestreift mit Warzen. Ein Rapidler quasi. Aber das kleinkindliche "Fosch!!!" hat mir und der Urlioma besser gefallen als die "Göteeh?".

Jedenfalls durfte sich der Frosch fast täglich unserer Besuche erfreuen. Bis er sich an etwas anderem erfreute. Einem Kollegen nämlich. Denn plötzlich waren es zwei Frösche. Ich muss nicht hinzufügen, dass das Kind ob dieser wundersamen Vermehrung sehr beeindruckt war. Zumal das alles ja auf geweihtem Boden stattgefunden hat. Auch wenn der Siloventilator alles andere als heilig geklungen hat. Sie werden nun bestimmt denken: Was soll das? Wo bleibt die Blase? (Natürlich werden Sie das nicht denken, Sie werden denken: Was für ein Blödsinn, unglaublich!)

Gut, also nun zur Blase. Zur Froschblase nämlich. Da waren es nun also zwei Frösche. Beide grün-weiß gestreift mit Warzen. Und raten Sie mal, was die beiden gemacht haben? Richtig, geschaut. So wie wir. Und plötzlich, eines Tages, da haben die Frösche nicht mehr geschaut. Sondern nur wir. Denn die Frösche waren weg. Fort, verschwunden, dahingegangen, wohin auch immer. Wie es auf Friedhöfen halt allgemein so der Brauch ist. Das Kind war untröstlich. So auch die Urlioma, der auf diese Weise ein begeisterter Friedhofsgänger verloren gegangen ist. Also das Kind.

Natürlich haben wir nichts unversucht gelassen, um diesen Misstand wieder zu bereinigen. Doch der gemeindeeigene Friedhofsarbeiter hat sich über Monate hindurch geweigert, die Wasserstellen-Sickergrube wieder entsprechend nachzubesetzen. Da sieht man übrigens, wie hier die öffentlichen Stellen auf Gemeindeebene zu Subventionierungen stehen. Am Verlust der Frösche haben wir lange gekiefelt. Doch selbst am Friedhof stirbt die Hoffung zuletzt und nach etlichen Kontrollbesuchen waren sie plötzlich wieder da. Halleluja! Nicht einer, nicht zwei, sondern: "Gans fiehle!!!!". Fünf Frösche im bereits bekannten Einheitslook tummelten sich nun in der kiesbefüllten Grube. Und schauten. Na da hamma gschaut, wie man sich vorstellen kann. Das Kind war überglücklich. Und so auch die Urlioma, der es dank vermehrter Friedhofsbesuche nun wieder ordentliche die Kniegelenke schmierte.

Das war vor ungefähr zwei Wochen. Ein paar Tage später zählen wir plötzlich sieben Frösche. Und dann waren es plötzlich neun. Und gestern, pünktlich zum Weltspartag, fand sich auch der zehnte ein. Wie bei den zehn kleinen Neg...Afroamerikanern, nur halt umgekehrt.

Heute am Nachmittag, wenn das gemeine Volk (also wir) zu den Gräbern wandern und sich an das bereits verblichene gemeine Volk (also die) erinnert, wird das Kind sehr glücklich sein. Denn es rechnet, diese Entwicklungskurve weiterzeichnend, bereits mit mindestens zwanzig grün-weiß-gestreiften Warzenträgern. (Zwanzig deshalb, weil weiter kann es nicht zählen.) Und es wird in dem Glauben am Friedhof stehen, dass alle anderen Anwesenden diesem kleinen Wunder beiwohnen wollen, und sich nur aus diesem Grunde am Friedhof befinden. Warum auch sonst.

Ein bisserl Angst hab ich allerdings bei dieser Sache. Weil ich den Tag fürchte, an dem die zehn Frösche plötzlich wieder fort sind. War schon schwierig genug, das plötzliche Verschwinden der zwei Ursprungsfrösche dem verständnislosen Kind zu erklären.
In ein paar Jahren, wenn das Kind und meine Sorgenfalten groß genug sind, und es wissen möchte, warum sich das Auto zur Matura aus dem Aktienfonds seines Papas nun doch nicht finanzieren lässt, werd ich ihm diese Geschichte auch erzählen. Zum besseren Verständnis werd ich dann allerdings die vermeintlichen Frösche wahrheitsgemäß als Kröten bezeichnen. Die halt irgendwer fressen muss. Denn die Kröten sind halt manchmal doch hin, nicht immer hat sie ein anderer.

"Die Selektion ist hart. Wer blöd ist, lebt nicht lange."

Frau C. schaut. Und schaut. Und schaut. Vor allem darauf, dass sie nicht die weiße Sicherheitslinie übertrittragt. Um nicht wieder die Alarmsirene und den musealen Wächter zu aktivieren. Was sich jedoch als sinnlos erweist. Denn der aktiviert sich von allein. Der Wächter. Und die Sirene übrigens auch.

W: (der schauenden C von rechts hinten zuraunend) Und wissen'S, der is nur anazwanzg Johr oid wurn, hot oba über dreihundat Werke gschofft, des miassn'S Ihna moi vurstöhn!
C: (schweigt und stellt sich das vor; und etwas weg; vom aktivierten Wächter)
W: Weu, wissn'S: Der woar seina Zeit um üba hundat Johr voraus, der hot gmoint wia da Monet und da, nau, da..na wia hoit de gaunzn Impre..Impref...Impressifessionisten, oiso da Chagall und da Picasso, gön'S!

So. Ab heute gehts bergauf. Weil ab heute darf man wieder mit mir rechnen. Oder zumindest mit dem Herrn Cliff Arnalls:

1/8W+(D-d) 3/8xTQ MxNA.

experteGeldwäsche. Ein sensibles Thema. Weil es uns, in Zeiten wie diesen, alle betrifft. Uns, die wir tagtäglich mit ihm zu tun haben. Weil wir es nun haben. Oder auch nicht: Geld. Und Zeit. Weil Zeit ja Geld ist und er sich diese heute genommen hat, wird er heute die zahllosen Fragen, die sich um dieses geheimnisumwitterte Thema "Geldwäsche" ranken, für uns klären. Er, unser Experte. Und zwar endgültig. Exklusiv. Investigativ. Und selbstverständlich.

C: Grüß Gott, Herr Dr. P. …
Dr.P: Bitte, bevor Sie mich mit Ihren eines Experten unwürdigen Fragen von meiner Gott weiß, wie wichtigen Arbeit aufhalten, lassen Sie mich bemerken, dass mir an einer säkular gehaltenen Begrüßung sehr am Herzen gelegen ist. Wenn schon nicht beim Thema Geld, gelt – ich darf nur an das naiv gutgläubige „In God we trust“ unserer nordamerikanischen KollegInnen erinnern - sollte wenigstens beim Thema Geldwäsche der liebe Gott außer Acht gelassen werden, nicht wahr.
C: Gut. Guten Tag, Herr Dr. P …
Dr.P: Besser. Viel besser. (eine kurze Notiz in seinem Blog Block festhaltend) Ich danke Ihnen.
C: Ich danke Ihnen. Aber lassen sie uns gleich zur ersten Fra…
Dr.P: Wissen Sie, ohne jetzt auf diesen eh schon längst abgefahrenen Zug der antiamerikanischen Ressentiments aufzuspringen: Ich, der ich fast ein Jahrzehnt meines Lebens beruflich in den Staaten verbracht habe und dort tagtäglich mit diesem unsäglichen „In God we trust“ auf diesen ebenso unsäglichen, weil furchtbar verdreckten, bakteriell und virenverseuchten Dollarnoten konfrontiert war…
C: Ja, Herr Dr. P, das hört sich jetzt wirklich sehr interessant an, und dazu kommen wir im Laufe unseres Gesprächs bestimmt auch später, aber lassen Sie mich bitte zur ersten…
Dr.P: Diese Bakterien! Furchtbar, sag ich Ihnen! F-ü-r-c-h-t-e-r-l-i-c-h! Ekelhaft! Wenn Sie als Laie nur überschlagsmäßig berechnen, durch wie viele Hände – und wir alle hoffen, dass es nur Hände waren – so ein Geldschein, ja jede Münze im Laufe nur eines Jahres…(übergibt sich)
C: (Dr.P ein Taschentuch reichend) Äh. Ja.
Dr.P: (säubert sich) Ich danke Ihnen. (schreibt wieder in seinen nunmehr etwas besudelten Notizblock) Vielleicht bin ich etwas vom Thema abgekommen. Wie war nochmal Ihre erste Frage?
C: Ich habe sie noch nicht…egal. Herr Dr.P: Sie, als Experte auf dem Gebiet der Geldwäsche - das ja ohne Zweifel als sehr weitreichendes bezeichnet werden darf – was können Sie als Experte dem Laien, also mir zum Beispiel, raten, wenn er mit Geldwäsche konfrontiert wird?
Dr.P: Das ist natürlich eine Frage, die wir heute und hier natürlich nur im Ansatz behandeln können. Schließlich geht es hier um ein Thema, mit dem sich tagtäglich hunderte, ach was: weltweit tausende und abertausende Experten beschäftigen, nicht wahr?
C: Ich verstehe. Aber, Herr Dr.P, verraten Sie mir vielleicht – natürlich nur ansatzmäßig – wie erkenne ich, also der Laie schlechthin, dass er, also ich, es mit einem Fall von Geldwäsche zu tun hat, und was er, also ich, in einem solchen Fall zu tun hat?
D.P. Ich danke Ihnen für diese Frage. (notiert wieder) Schon allein deshalb, weil sie sich von selbst beantwortet und einer Antwort meinereiner gar nicht bedarf.
C: Wie meinen…?
Dr.P: (lacht; öffnet seine Brieftasche) Hier, schauen Sie: Wurden diese Geldscheine, frage ich Sie – und schauen Sie bitte genau – jemals einer Geldwäsche unterzogen?
C: (die überreichten Expertengeldscheine studierend) Also ich weiß nicht, worauf Sie jetzt …
Dr.P: Nicht zu erkennen, nicht wahr? Also für Sie als Laien zumindest. Dabei wurden gerade diese Scheine erst gestern einer intensiven professionellen Geldwäsche unterzogen.
C: Aha, Sie meinen...?
Dr.P.: (stolz) Jawohl, und zwar durch mich. Höchstpersönlich. Wissen Sie, ich als Experte müsste Ihnen ja nun eigentlich raten: Don’t try this at home, aber heute will ich Ihnen ausnahmsweise einen recht intimen Einblick, wie ich meine, in dieses höchst sensible Geschäft der Geldwäsche gewähren!
C: Sehr schön, unsere Leser werden sich…
Dr.P: Zuallererst müssen sie sich bewusst werden, dass Sie als Laie, der Sie nun einmal sind, auf dem Gebiet der Geldwäsche mehr Schaden anrichten können als…ich. Also als Experte sozusagen, klar?
C: Klar.
Dr.P: Sind Sie sich einmal dieser Ihrer Fehlbarkeit bewusst, kann es auch schon losgehen. Und Sie beginnen mit der Trennung.
C: Mit der Trennung?
Dr.P. (ungeduldig) Ja, mit der Trennung. Hard- und Software, Sie verstehen? Nein, das tun Sie als Laie natürlich nicht. (lacht) Schauen Sie: Wir trennen zuallererst die vom Verdacht der Geldwäsche paradoxerweise reinzuwaschenden (lacht wieder) Objekte in Münzen und Scheine.
C: Tun wir das?
Dr.P. (noch ungeduldiger) Ja, das tun wir. Und unterbrechen Sie mich nicht dauernd.
C: Gut, aber…
Dr.P. (wirft C. einen giftigen Blick zu) Dann unterziehen wir die Scheine einer ersten, oberflächlichen Kontrolle. Nun gilt es vorderhand zu klären: Haben wir es bloß mit einer oberflächlichen Verschmutzung zu tun, oder gar mit einer fast irreversiblen höchsten Grades?
C: Verschmutzung…?
Dr.P. (schreit) Schweigen Sie! Der gemeine Experte empfiehlt ja in letzteren Fällen immer wieder zu einer Vorbehandlung vor dem eigentlichen Waschgang. Ich hingegen, ich tue das nicht. Es reicht vollkommen, das zu waschende Geld vorzusortieren. In 40 Grad, 60 Grad…(um Stuhl kippend)
C: Dr. Pr. Ich danke für das Gespräch.
Dr.Pr. … 90 Grad, Feinwäsche, Bügelfrei, Energiesparen, Einweichen, Schonschleudern….

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